| 27. September 2010
1. Mainzer Gesundheitskongress des Landessportbundes

„Ja. Der Sport kann uns retten“, stellte die rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Malu Dreyer fest. (Fotos. C. Palm)
Der Sport kann die Rettung sein. Beispiele dafür gibt es genug, etwa das der zehn Diabetiker, die nach nur fünf Monaten Vorbereitung den Halbmarathon in Mainz absolvierten. „Von 0 auf 21“, wie es Dr. Harald Schmid formulierte. Der ehemalige Weltklasse-Hürdenläufer, der die zehn Diabetiker im Rahmen des Projekts „D-Run“ betreute, war einer der Referenten beim 1. Mainzer Gesundheitskongress des Landessportbundes (LSB) Rheinland-Pfalz. Neben Schmid nahmen weitere Experten im Institut für Sportwissenschaft der Uni Mainz das vermeintliche Allheilmittel Sport genauer unter die Lupe. Knapp 100 Teilnehmer diskutierten mit – unter dem Motto „Kann der Sport mich retten…?“
„Ja. Der Sport kann uns retten“, stellte Malu Dreyer fest, die rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen. „Er kann uns aber auch schaden.“ Dreyer hatte die Schirmherrschaft für den 1. Mainzer Gesundheitskongress übernommen. Sie hob in ihrer Begrüßung den Wert der Bewegung heraus und verwies auf das enorme Potenzial des organisierten Sports. „Der Landessportbund mit seinen 1,5 Millionen Mitgliedern ist eine Massenbewegung“, sagte Dreyer und lobte die LSB-Aktivitäten im Bereich des Gesundheitssports. „Unser aller Aufgabe lautet aber weiterhin, die Gesellschaft in Bewegung zu bringen.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass jeder zweite Erwachsene in Rheinland-Pfalz zu Übergewicht neige.
Weitere erschreckende Zahlen lieferte Prof. Dr. Dr. Dieter Leyk von der Deutschen Sporthochschule in Köln in seinem Hauptvortrag zum Thema „Gesund, fit und leistungsstark – Wunschtraum im digitalen Zeitalter.“ So bewegen sich 60 Prozent aller Menschen pro Tag weniger als 30 Minuten., Zweijährige sitzen im Schnitt täglich zwei Stunden vor dem Fernseher, und die Zahl der Diabetes-II-Erkrankungen stieg in den vergangenen 25 Jahren von 30 auf 280 Millionen weltweit. Ein Grund dafür, dass die Menschen immer fauler, dicker, kränker und unsportlicher werden, sieht Leyk in der „Informatisierung der Gesellschaft“ durch Internet und Co.

Stellte das Projekt "D-Run" beim 1. Mainzer Gesundheitskongress vor: Dr. Schmid. Das Projekt zielte auf Nicht-Sportler ab, die innerhalb kurzer Zeit einen Halbmarathon laufen konnten.
Leyk lieferte die Fakten, die Kongress-Teilnehmer konnten Fragen stellen und diskutieren, beim Hauptvortrag oder in den drei Workshops. Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, anerkannter Gendoping-Forscher und Leiter der Abteilung Sportmedizin, Prävention und Rehabilitation, untersuchte die These „Sport ist gesund und Mord.“ Er und die Workshop-Teilnehmer kamen zu folgendem Schluss: „Wer Sport treibt, lebt gesund. Und die, die ungesund leben, können durch Sport Ungeahntes erreichen.“ Siehe das Projekt „D-Run“, das im zweiten Workshop von Dr. Schmid vorgestellt wurde.
Wie auch Sportvereine zur „Rettung der Gesellschaft“ beitragen können, erklärte Hiltrud Gunnemann in ihrem Workshop. Die LSB-Abteilungsleiterin Breitensport/Sportentwicklung stellte modernes Qualitätsmanagement für Vereine vor und ließ die Teilnehmer Checklisten ausfüllen, wonach sie die Angebote ihres Vereins bewerten konnten. Qualität muss vor Quantität stehen, lautete auch hier das Fazit.
Der Sport kann die Rettung sein – so zeigte es abschließend ein Ausschnitt aus dem Kinofilm „Herbstgold“. Hier werden fünf Seniorensportler im Alter zwischen 80 und 100 Jahren porträtiert, wie sie sich auf die Leichtathletik-WM im finnischen Lahti vorbereiten. Im Kampf gegen die Einsamkeit und gegen körperliche und geistige Gebrechen ist ihnen der Sport eine große Stütze. „In jedem Alter, in jeder Lebenslage kann der Sport helfen und uns retten“, bilanzierte Dieter Krieger, der LSB-Vizepräsident Breitensport/Sportentwicklung. „Vorausgesetzt er wird zielgerichtet, an den jeweiligen Bedürfnissen orientiert und in Maßen betrieben.“










